Namensvarianten in alten Quellen: wie man Vorfahren trotz der Schreibweise nicht verliert
Ein Schreiber konnte denselben Familiennamen innerhalb eines Jahres auf mehrere Arten notieren, sogar in benachbarten Einträgen. Namensvarianten gehören deshalb zu den ersten Problemen bei der Suche nach Vorfahren in alten Dokumenten. Dabei stellt sich die Frage, wie sich ein Name finden lässt, dessen Schreibweise von der aus der Familie bekannten Form abweicht. Im Folgenden wird erklärt, woher diese Unterschiede kommen und mit welcher Methode sie sich ordnen lassen.
Warum die Schreibung von Namen in alten Quellen schwankt
Bis ins 19. Jahrhundert war die Rechtschreibung nicht vereinheitlicht. Schreiber hielten Namen so fest, wie sie sie hörten, statt sich nach der Schreibweise in einer Vorlage zu richten.
Die Schreibung hing daher vom Gehör, den Gewohnheiten und der Praxis der Person ab, die das Buch führte. So konnte derselbe Name innerhalb einer Familie in mehreren Schreibweisen vorkommen, sogar in Einträgen desselben Jahres. Solche Unterschiede bedeuten nicht, dass es sich um verschiedene Familien handelt. Sie gehen lediglich auf verschiedene Schreiber und deren unterschiedliche Wahrnehmung des Namensklangs zurück.
Namenstypen und ihre Umformungen
Wer die Namenstypen kennt, kann leichter abschätzen, wie ein Name geschrieben worden sein könnte. Familiennamen entstanden unter anderem aus dem Vornamen des Vaters, dem Beruf, dem Herkunftsort oder einer Eigenschaft der Person. Ein vom Beruf oder Herkunftsort abgeleiteter Name wurde daher mitunter beschreibend notiert. Seine Form konnte sich mit dem Klang des Wortes ändern, auf das er zurückging.
Eine eigene Gruppe bilden die Namen von Gelehrten. Im 16. und 17. Jahrhundert war es üblich, den Familiennamen in eine lateinische oder griechische Form umzuwandeln. Dieselbe Person kann deshalb in den Quellen unter zwei Namensformen auftauchen, der heimischen und der umgeformten.
Bei der Suche sind auch die Namen der Frauen zu berücksichtigen. Frauen wurden häufig unter ihrem Mädchennamen verzeichnet, selbst nach der Heirat. Wer die Ehefrau eines Vorfahren sucht, sollte deshalb beide Namen prüfen und sich nicht auf den Namen des Ehemannes beschränken.
Wie sucht man über Namensvarianten?
Bei der Suche hilft es, neben der genauen Namensform auch ähnlich klingende Schreibweisen zu prüfen. Dazu lässt sich der Name laut lesen und überlegen, wie jemand ihn aufgeschrieben haben könnte, der ihn nur vom Hören kannte. Ähnliches gilt für Vornamen. Diese wurden mitunter in lateinischer Form geschrieben. Innerhalb einer Familie konnten zudem mehrere Kinder denselben Vornamen tragen, wenn ein früheres Kind gestorben war. Zwei Einträge mit demselben Vornamen müssen sich daher nicht auf dieselbe Person beziehen.
Wie hält man die Formen in der Datenbank fest?
In der Datenbank empfiehlt es sich, eine vereinheitlichte Namensform zu führen und daneben alle Quellenformen genau so festzuhalten, wie sie im Buch stehen. Die vereinheitlichte Form dient dem Ordnen und Suchen. Die Quellenformen bilden die Belege, auf denen jede Feststellung beruht. So lässt sich eine neue Variante ergänzen, ohne frühere Daten zu ändern oder zu riskieren, dass ein Vorfahre durch eine Korrektur verschwindet.
Namensvarianten sind ein Merkmal alter Quellen und müssen in der Forschung berücksichtigt werden, denn sie sind kein Fehler, der sich beseitigen ließe. Wer nach ähnlich klingenden Schreibweisen sucht und jede Form sorgfältig festhält, kann die Bücher durchgehen, ohne Spuren zu verlieren.